Es ist nahezu ein Allgemeinplatz, von der Pluralität der Lernorte zu sprechen und mittlerweile Konsens, die Vielfalt der Orte des Lehrens und Lernens sowie deren Eingebundensein in gesellschaftliche Strukturen und Funktionen zu akzeptieren und wissenschaftlich zu verorten. Es gibt eine diszplinübergreifende Übereinstimmung darin, dass es neben den traditionellen Orten institutionalisierten und organisierten Lernens eine Vielzahl von „offenen” und „freien” Lernorten gibt. In jüngster Zeit gewinnt die Pluralität der Lernorte eine neue Dimension – und zwar dann, wenn sich die Rhetorik des Lebenslangen Lernens mit der Rede vom „informellen” Lernen überlagert und zu einer neuerlichen Entgrenzung des Konzepts „Lernort” führt. Mit Blick auf die Herausforderungen sich rapide verändernder, globalisierter Gesellschaftsstrukturen und medialer Erfahrungsräume und mit Verweis auf die allseits geforderte Flexibilisierung der Lernbiographien muss also auch der „Lernort” neu gedacht werden. Mittlerweile spricht man gar von einem eigenständigen Forschungsfeld, der „Lernortforschung”.
Im aktuellen REPORT erkunden die Schwerpunktautor/inn/en, welche neuen Aspekte aus Wissenschaft und Forschung in die Diskussion um Lernorte und Lernräume eingespielt werden. Und schließlich wird gefragt, welche Fragestellungen und Dimensionen sich hieraus für künftige Forschungen eröffnen.
Feedback geben
Heftbestellung
Seite
Inhaltsverzeichnis
11
Abstract:
Deutsch
English
Lernorte – Organisationale und lebensweltbezogene Perspektiven
Rudolf Tippelt, Jutta Reich-Claassen
Der vorliegende Beitrag geht von der Annahme aus, dass sich die gegenwärtige Struktur von Lernorten sowie darauf bezogene aktuelle theoretische und empirische Schwerpunktsetzungen jeweils aus ihrer Entstehungsgeschichte nachvollziehen und interpretieren lassen. Beginnend mit der Einführung des Lernortbegriffes in die Erwachsenenbildungsforschung in den 1970er Jahren wird die Entwicklung der erwachsenenpädagogischen Lernortdiskussion dekadenweise nachgezeichnet. Seit der Jahrtausendwende werden einerseits zunehmend organisationsbezogene Themen wie bspw. Netzwerkbildung und Kooperation in die Lernortdebatte aufgenommen sowie andererseits lebenswelt- und milieubezogene Perspektiven diskutiert. In jüngster Zeit gewinnt auch die Rezeption neo-institutionalistischer Theorieansätze für die erwachsenenpädagogische Lernortdiskussion an Bedeutung.
This article provides an overview of the debate on learning environments and learning locations within adult education research; the authors use a historical review of main research topics in order to understand current learning environments and recent theoretical and empirical discussions. The term of learning environments or learning locations has been introduced into research on adult education in the 1970ies; since this time, each following decade can be characterized by several specific research questions concerning structure and impact of learning environments. From the turn of the millennium on, research on learning environments in adult education has focused on two topics: research on the link between learning and ”every day life” as well as organizational aspects such as learning networks and cooperation in adult education. Most recently, the theory of neo-institutionalism is being adopted to research on learning environments in adult education.
22
Abstract:
Deutsch
English
Hochschulen als Lernorte für das Lebensbegleitende Lernen?
Probleme und Perspektiven für die (wissenschaftliche) Weiterbildung
Rolf Dobischat, Eva Ahlene, Anna Rosendahl
Lebenslanges Lernen als bildungspolitisches Primat setzt eine Flexibilisierung von Lernorten und Lernwegen im Sinne bedarfsorientierter Arrangements voraus. Die in Zukunft prognostizierbaren steigenden Qualifikationsanforderungen im Beschäftigungssystem rücken die Hochschulen als Lernort in den Mittelpunkt, wobei sich akademische Lernangebote angesichts des drohenden Bevölkerungsrückgangs neuen Zielgruppen öffnen sollten. Dieser Beitrag widmet sich der wissenschaftlichen Weiterbildung und nimmt eine Bestandsaufnahme zur Angebots- und zur Nachfragestruktur vor. Empirische Befunde verweisen auf erhebliche Wachstumspotenziale, deren Realisierung jedoch geeignete Steuerungs-, Finanzierungs- und Organisationsstrukturen der Hochschulen impliziert.
As a priority of education policy Lifelong Learning implies flexible individual learning pathways in different settings. Within the demographic change and the demand of higher skills higher education qualifications become increasingly important to reach employment, why higher education institutions need to open up against new target groups. This article focuses on further education offered by higher education institutions and intends to give a picture of the current demand and supply. Empirical results indicate great potential for growth, but higher education institutions are required to implement adequate structures for governance, financing and organisation of further education.
34
Abstract:
Deutsch
English
Zur Neudimensionierung des Lernortes
Matthias Rohs
Angesichts der zunehmenden Entgrenzung des Lernens zeigt sich die Notwendigkeit, auch den Begriff des Lernortes neu zu dimensionieren. Ausgehend von einem Lernortverständnis, das sich an konkret-räumlichen Gegebenheiten im Rahmen organisierter Bildungsangebote orientiert, wird zunächst die Diskussion zum informellen Lernen für die Lernortdebatte fruchtbar gemacht, bevor auf das Verhältnis von Ort und Raum und die Bedeutung virtueller Lernorte bzw. -räume eingegangen wird. Der Beitrag kommt dabei nicht zu einer Neubestimmung des Lernortbegriffs, zeigt aber auf, in welchem Rahmen sich eine Neubestimmung bewegen muss.
Due to the increasing blur of learning boundaries, the need arises for re-defining the concept of learning space. Based on an understanding of learning space, which refers to the local circumstances within organized education programs, the article initially aspires to include the debate on learning space in the discussion of informal learning, before it then focuses on the relation between time and location and the significance of virtual learning spaces. The article itself does not re-define the concept of learning space, but points out the necessary context of a redefinition.
46
Abstract:
Deutsch
English
Aneignung von Lernorten in der Erwachsenenbildung
Zur Empirie pädagogischer Räume
Katrin Kraus
Lernorte werden im vorliegenden Beitrag als Angebot zur Aneignung des entsprechenden Ortes unter der pädagogischen Prämisse von Vermittlung und Aneignung verstanden. Grundlage hierfür ist ein Verständnis des sozialen Raums, der sich in den Prozessen der Platzierung und Wahrnehmung der beiden Elemente Lebewesen und soziale Güter konstituiert. Die Spezifizierung des pädagogischen Raums erweitert die zentralen Elemente des sozialen Raums um Wissen(srepräsentationen) und pädagogische Medien. Der Umgang mit diesen vier Elementen durch die Lehrenden und Lernenden wird als Aneignung des Lernortes interpretiert und anhand von videographierten Sprachkursen einer Volkshochschule analysiert. Die beobachtbaren Einzelhandlungen der Akteure werden in der Analyse zu raumaneignenden Praktiken verdichtet.
A video-study of language courses in adult education analyses the transformation of a learning side into a pedagogical space. The definition of pedagogical space is linked to the theory of social space. Space is thus viewed as an arrangement and perception between human beings and social goods. This recasting of social space as a pedagogical space specifies social space to include two additional elements: the representation of knowledge and pedagogical media. For this study, the transformation of a learning side into a pedagogical space comes about by dealing with these four elements. The analysis focuses on how teachers and learners in adult education courses deal with each element. Single observable acts are condensed to a description of spatial practices.
56
Abstract:
Deutsch
English
Lebenslanges Lernen im Kontext der Verwissenschaftlichung von Arbeit
Außerschulische Lernorte und Lernwege aus subjektwissenschaftlicher Sicht
Ines Langemeyer
Außerschulische Lernorte und Lernwege werden vor dem Hintergrund einer neuen Verwissenschaftlichung der Arbeit diskutiert, die auf die informationstechnologische Produktionsweise zurückgeführt wird. Diese bringt in der Arbeit ein neues Verhältnis von Theorie und Praxis hervor, weshalb den Arbeitenden heute eine strategische Rolle im Arbeitsprozess zukommt: Sie müssen Prozesse optimieren, Ziele präzisieren und finden, Handlungsweisen im Kontext eines gesamten Arbeitsprozesses reflektieren etc. Mit dieser Verwissenschaftlichung eröffnet sich eine Chance, „lebenslanges Lernen” an der Methode einer „entwickelnden Arbeits- und Technikforschung” auszurichten und Exklusionseffekte des Bildungssystems zu überwinden. Ein subjektwissenschaftliches Lernverständnis ist dafür unabdingbar.
Sites and trajectories of learning disconnected from schooling and traditional training are discussed against the background of a new scientification of work related to the shift towards an information technological mode of production. This scientification is rooted in a new relation of theory and practice at work. Accordingly, workers play a new strategic role in work processes: they have to optimize procedures, define and search for reasonable objectives, reflect on methods and strategies of action etc. This scientification provides the possibility to link ”lifelong learning” to ”developmental work and technology research” and to overcome effects of exclusion within the educational system. A subject scientific approach to learning is essential for this.
65
Abstract:
Deutsch
English
Organisationales Lernen als Lernweg des Subjekts
Claas-Philip Zinth
Der vorliegende Beitrag befasst sich aus erwachsenenpädagogischer Sicht mit der Debatte um organisationales Lernen. In den Ansätzen zum organisationalen Lernen werden die Organisationsmitglieder meist als Träger organisationaler Lernprozesse angesehen, lerntheoretische Grundlagen und Ausführungen sind hingegen nur rudimentär verankert. Dabei bietet die Ausarbeitung eines lerntheoretisch fundierten Ansatzes einiges an Potential zur Reflexion und Entwicklung erwachsenenpädagogischen Handelns in Organisationen. Im vorliegenden Beitrag wird organisationales Lernen als subjektbezogener Lernweg vorgestellt. Zudem werden empirisch generierte Implikationen für den Lern-Support aufgezeigt.
The following article focuses on the debate on organizational learning from an adult-educational point of view. In most approaches to organizational learning the members of an organization are regarded as the main drivers of organizational learning processes. However, such approaches do not systematically incorporate important presumptions of learning-theory, although this promises to create a better understanding of adult-educational experiences within organizations. Hence, the article presents organizational learning as a subject-oriented learning process. Furthermore, the article points to empirically generated implications for learning support.
77
Abstract:
Deutsch
English
Erwachsenenbildner an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Pädagogik
eine explorative Analyse der Tätigkeitsfelder von Verwaltungsmitarbeiter/inne/n mit pädagogischen Aufgaben
Aiga von Hippel
Tätigkeitsfelder in der Erwachsenenbildung erscheinen entgrenzt: Verwaltungsmitarbeiter/innen üben auch pädagogische Tätigkeiten aus – wie z.B. Beratung – und hauptamtlich tätige pädagogische Mitarbeiter/innen sind ebenso mit Administration – z.B. in der Projektverwaltung – beschäftigt. Verwaltungsmitarbeiter/innen sind für die pädagogische Funktion von Erwachsenenbildungseinrichtungen qualitativ und quantitativ wichtig, werden aber gleichwohl in der Forschung wie in Personalentwicklungsmaßnahmen eher vernachlässigt. Im Beitrag werden die Tätigkeiten von Verwaltungsmitarbeiter/inne/n mit pädagogischen Aufgaben als Grundlage für Fortbildungsüberlegungen analysiert. Empirische Basis sind Ergebnisse des Projekts „KomWeit”, in dem verschiedene Berufsgruppen befragt wurden. Der Beitrag arbeitet heraus, inwiefern sich Verwaltungsmitarbeiter/innen mit pädagogischen Aufgaben sowohl mit ihren Tätigkeiten als auch mit ihren Positionen an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Pädagogik befinden.
In adult education, fields of activity have lost their strict boundaries: administrative employees also perform pedagogical work – such as counselling, for instance – and full-time pedagogical employees also have to handle administrative work – e.g. in project management. Both qualitatively and quantitatively, administrative employees play an important role in the pedagogical functioning of institutions of adult education, although this factor is often neglected in both research and measures of personnel development. The article analyzes the work of administrative employees with pedagogical responsibilities as a basis for reflections on further education. The empirical basis is provided by the results of the Project KomWeit, a project for the promotion of competences among teachers in further education, in the context of which a survey among different occupational groups was carried out. The article examines in how far administrative employees with pedagogical responsibilities find themselves at the intersection between administration and pedagogy with regard to both their responsibilities and their positions.
91
Behringer, Friederike; Käpplinger, Bernd; Pätzold, Günter (Hrsg.): Betriebliche Weiterbildung
Rezension
Arthur Schneeberger
92
Derichs-Kunstmann, Karin u.a. (Hrsg.): Gender-Kompetenz für die Bildungsarbeit
Rezension
Nicole Hoffmann
94
Klingovsky, Ulla: Schöne Neue Lernkultur
Rezension
Vater, Stefan
95
Kronauer, Martin (Hrsg.): Inklusion und Weiterbildung
Rezension
Rainer Brödel
96
Maier-Gutheil, Cornelia: Zwischen Beratung und Begutachtung
Rezension
Wiltrud Gieseke