Die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung und Gerechtigkeit war stets wichtig, auch schon, als sich Bildung noch nicht als eigenständiges Teilsystem in der Gesellschaft etabliert hatte; dies gilt in gleicher Weise für den Teilbereich "Weiterbildung". In diesem REPORT finden sich unterschiedliche Annäherungen an das schwierige Gerechtigkeitsthema und die dabei notwendige Verbindung normenorientierter Diskurse mit (viel zu wenig belastbaren) empirischen Daten. Die Beiträge weisen vor allem auf eines hin: Es bedarf weiterer intensiver Forschung zu diesem Thema und es bedarf eines intensiven bildungspolitischen Diskurses, um sich auf die Ziele der Gerechtigkeit zu verständigen.
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Inhaltsverzeichnis
9
Abstract:
Deutsch
English
Nagel, Bernhard
Die Bildungschancen sind ungerecht verteilt. Auch im Weiterbildungsbereich gibt es benachteiligte Gruppen, insbesondere solche, die bereits in der Erstausbildung diskriminiert wurden. Die Forderung nach Chancengleichheit, die auf Aristoteles und John Rawls zurückgeht, bedeutet, dass jeder eine zweite Chance bekommen sollte, wenn er unter unzureichenden oder unbefriedigenden Ergebnissen der Erstausbildung leidet. Aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Berufs- und Ausbildungsfreiheit sowie zum Sozialstaatsprinzip folgt ein Teilhaberecht auf berufliche Weiterbildung, das unter dem Vorbehalt des Möglichen steht. Die Beseitigung von Benachteiligung im und durch das Bildungssystem – so die Argumentation des Autors – ist nicht allein eine Frage der Gesetzgebung und Finanzierung, sondern vor allem eine der Durchsetzung eines Rechts auf Bildung.
Justice and the right to continuing education
Education opportunities are unfairly distributed. In the area, too, of continuing education there are disadvantaged groups of persons who especially have already suffered discrimination during their initial vocational education and training.
The demand for equal opportunities which dates back to Aristotle and John Rawls implies that everyone who suffers as a result of insufficient or unsatisfactory results in their initial training should have a second chance.
Resulting from the case-laws of the Federal Constitutional Court on the freedom to choose an occupation and training, and on the principle of the welfare state, is the right to attend occupational continuing training, provided that this is possible. Eliminating disadvantages within, and by means of, the education system – according to the author’s arguments – is not only a question of legislation and financing but mainly one of enforcing a right to education.
19
Abstract:
Deutsch
English
Schemmann, Michael; Wittpoth, Jürgen
Gibt es einen Zusammenhang von Weiterbildung und Gerechtigkeit oder anders gefragt: Kann Weiterbildung dazu beitragen, gesellschaftliche Teilhabechancen zu verbessern? Die Autoren stellen diese Frage in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext und nähern sich ihr vor dem Hintergrund des Social-Capital-Ansatzes. Unter Bezugnahme auf empirischer Befunde aus Nordirland, die die weit verbreitet Auffassung zum positiven Zusammenhang von Sozialkapital und Weiterbildungsteilnahme relativieren, richten die Autoren abschließend den Blick auf Merkmale von Weiterbildungssystemen, die geeignet erscheinen, gesellschaftliche Teilhabe zu befördern.
Justice in/of continuing vocational training?
Is there a correlation between continuing training and justice, or put differently; can continuing training contribute to improving opportunities for social participation? The authors pose this question in a broader societal context and approach it against the background of the social capital approach. They refer to empirical findings from Northern Ireland which put into perspective the wide-spread idea of the positive correlation of social capital and continuing training participation. In their conclusion, the authors turn their attention to the features of the continuing training systems which appear to be suitable for promoting social participation.
29
Abstract:
Deutsch
English
Nader, Laima
Wenngleich quantitative Daten zur Weiterbildungsbeteiligung auf den ersten Blick eine Annäherung der Teilnahmequoten von Frauen und Männern dokumentieren, lässt ein Blick hinter die Beteiligungsquoten ein vielschichtigeres Bild erkennen. Die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung wird durch Faktoren wie Erstberuf, Erwerbstätigkeit und -status sowie private Lebenszusammenhänge bedingt, die jedoch für Frauen und Männer in unterschiedlicher Weise wirksam werden. Der Beitrag geht der Frage nach der Geschlechterungleichheit in der beruflichen Weiterbildung auf der Folie der geschlechtsspezifischen Segregation des Ausbildungs- und Erwerbssystems und in Bezug auf die geschlechtsspezifischen Lebens- und Berufsverläufe nach und zeigt weitere Forschungsfragen auf.
Continuing vocational training and gender justice
Albeit at first sight, quantitative data on continuing vocational training participation documents a gradual balancing in the participation quota of women and men, a glance behind the participation figures reveals, however, a more complex picture. Participation in continuing vocational training are determined by factors such as first job, occupation and status as well as private life interrelations which effect women and men differently. This present contribution will investigate gender inequality in continuing vocational training on the foil of gender-specific segregation of the training and employment seeking system and in relation to gender-specific life and career histories, and identifies further research questions.
39
Abstract:
Deutsch
English
Zeuner, Christine
Gerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit sind Prinzipien, die von den meisten Gesellschaften akzeptiert werden. Die ihnen inhärenten Werte und Normen sind abhängig vom historischen Kontext sowie politischen wie individuellen Konzepten und daher verhandelbar. Im Kontext eines europäischen Grundtvig-Projekts „Politische Partizipation durch gesellschaftliche Kompetenz: Curriculumentwicklung für die politische Grundbildung” diskutiert der Beitrag die Konzeption der „Gerechtigkeitskompetenz”, wie sie im Rahmen der sog. „Gesellschaftlichen Kompetenzen” von Oskar Negt entwickelt wurde. Es werden ausgewählte Gerechtigkeitskonzeptionen skizziert, die im Rahmen des Projekts zum Tragen kamen. In einem zweiten Schritt wird diskutiert, wie sie in ein Curriculum für eine kritische politische Bildung implementiert werden können.
Justice and justice competence: Discourse and practice for a critical political education
Most societies accept justice and social justice as principles. Their inherent norms and values are dependant on the historical context as well as on political and individual concepts, and are thus negotiable. Within the context of a European Grundtvig-Project, "Political Participation through Social Competence: Curricular Development for Courses on Democratic Citizenship" the article discusses the idea of the awareness of, and competence in, social justice as it was developed within the framework of the so-called ”Societal Competencies” by Oskar Negt. The article will present ideas on justice and social justice which developed out of the project and will then discuss how they can be implemented in a curriculum of education for democracy.
51
Abstract:
Deutsch
English
Lerngruppen mit Teilnehmenden unterschiedlicher Herkunft
Bethscheider, Monika; Troltsch, Klaus
Im Mittelpunkt des Beitrags stehen Weiterbildungslehrgänge, deren Teilnehmer/innen teils Einheimische, teils Migrant/innen sind. Es wird der Frage nach möglichen Einflüssen dieser Teilnehmerstruktur auf den Unterricht nachgegangen. Dabei zeigt sich, dass in herkunftsgemischten Kursen unter bestimmten Bedingungen eine Konstellation zwischen den beiden Gruppen entsteht, die Aspekte der von Norbert Elias und John L. Scotson beschriebenen Etablierten-Außenseiter-Figuration aufweist und sich hemmend auf das Lernen der Migrant/innen auswirkt. Angemessene Rahmenbedingungen des Unterrichts und ein bewusster Umgang des Lehrpersonals mit dieser Figuration könnten dem entgegenwirken
Aspects of the ”Established Outsider Figuration” in continuing vocational training
Learning groups involving participants of different origins
The main focus of the present paper is on continuing training courses attended by both indigenous and immigrant participants. What potential influences such participant structure on teaching may have is the subject of investigation. This reveals that in courses involving participants of mixed origin, under certain conditions, a constellation between the two groups arises which shows aspects of the Established Outsider Figuration as described by Norbert Elias and John L. Scotson. This has an inhibiting effect on immigrants’ learning. Appropriate teaching conditions and teaching staff who consciously deal with this figuration could be ways to counter the problem.
61
Abstract:
Deutsch
English
Feller, Gisela
Die Weiterbildungsanbieterlandschaft ist zunehmend privatwirtschaftlich organisiert und gewachsen. Der Bedeutung lebenslangen Lernens für gesellschaftliche Teilhabe und den Erhalt beruflicher Kompetenzen gemäß intensiviert sich auch die Berichterstattung über Weiterbildung. Um die Lage und Entwicklungen bei den Anbietern allgemeiner und beruflicher Weiterbildung zu spiegeln, wäre ein prägnanter Kennwert hilfreich, der die aktuelle Stimmung und als Indikator bevorstehende Änderungen signalisiert. Der Beitrag stellt die Konzipierung eines solchen Kennwertes vor, der auch Hintergrundanalysen sowie Vergleiche mit anderen Wirtschaftszweigen zulässt und sich am ifo Klimaindex orientiert. An Modellrechnungen wird dessen Einsetzbarkeit für das Weiterbildungsmonitoring geprüft.
Organisation and growth of the continuing training market is increasingly taking place within the private economic sector. There also is increasing reporting coverage of continuing training in accordance with the significance of lifelong learning for societal participation and the retention of occupational competences. In order to enable an accurate picture of the situation and developments of providers of general and vocational education and training to be given, it would be useful to have a key reference parameter in place both to signalise the current mood and to act as an indicator of imminent future change. The present paper presents the conception of such a parameter, which also permits background analyses and comparisons with other branches of trade and industry and is based on the IFO Institute for Economic Research Climate Index. Model calculations are carried out to test the applicability of the parameter for continuing training monitoring.
77
vbw - Vereinigung der bayerischen Wirtschaft e. V. (Hrsg.) (2007): Bildungsgerechtigkeit
Länge, Theo W.
81
Rezension
Weinberg, Johannes
82
Rezension
Dollhausen, Karin
82
Rezension
Stuhldreier, Jens
84
Rezension
Schmidt, Bernhard
85
Rezension
Neumeier. Marcel
86
Rezension
Himmelsbach, Ines
88
Rezension
Thurnes, Christian M.
89
Rezension
Schemmann, Michael
90
Rezension
Grotlüschen, Anke
91
Rezension
Ludwig, Joachim
93
Rezension
Gieseke, Wiltrud
93
Rezension
Brödel, Rainer